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Neumünster | ver.di

„Kein Fame für Famous – Schöner leben ohne Nazi-Läden“

Neumünster (em) Im Herbst 2018 machten etwa 700 Neumünsteraner bei der Demonstration „Wir sind mehr – der Norden gegen Rechts“ deutlich, dass in der Stadt an der Schwale kein Platz ist für Fremdenhass und Diskriminierung und setzten ein eindeutiges Zeichen gegen den Rechtsruck, unter anderem auch gegen bekannte Nazikneipen wie die „Titanic“.

Auch die jüngsten Wahlen in Brandenburg und Sachsen zeigten, dass Menschenrechte und gesellschaftliche Freiräume immer härter attackiert werden. In Neumünster sitzt schon seit Jahren die NPD in der Ratsversammlung und konnte bei der letzten Wahl mit zwei Vertretern die Fraktionsstärke erreichen.

Auch die Neumünsteraner Innenstadt ist vom Rechtsruck nicht verschont geblieben: Nach dem Umzug des Tattoostudios „Famous“ aus der Holstenstraße in die Holstengalerie kam es zu vermehrten Diskussionen, da dessen Betreiber aus der Nazi- und Rocker-Szene stammen - also aus Kreisen, denen nicht jede Stadt den roten Teppich ausrollt. Zentrale Figuren bei „Famous“ sind Peter Borchert und Matthias Stutz. Stutz ist offiziell im Tattoostudio angestellt, gehört aber auch zum Rockerclub „Bandidos“, die sich in Neumünster einen blutigen Machtkampf mit den verfeindeten „Hells Angels“ geliefert haben und immer wieder durch Zwangsprostitution, Menschenhandel und Waffenhandel aufgefallen sind. Stutz wurde 2017 dafür verurteilt, mit anderen „Bandidos“ einen verfeindeten Rocker niedergestochen zu haben.

Peter Borchert vermeidet es, dass sein Name in offiziellen Papieren von „Famous“ auftaucht, soll aber – wie verschiedene Medien berichteten – eigentlich die treibende Kraft hinter dem Team um Strohmann Christian Franz sein. Dass er im Hintergrund bleiben möchte, liegt daran, dass der überzeugte Rassist und ehemalige NPD-Landesvorsitzende, der einen Großteil seines Lebens im Gefängnis verbrachte, zu den berüchtigsten Neonazis Deutschlands gehört.

Obwohl verschiedene Zeitungen und auch das lokale Radio über die Verstrickungen von „Famous“ im Milieu der rechten Rocker berichteten, reagierte die Center-Managerin der Holstengalerie nicht etwa mit einer Abmahnung oder einer Kündigung, sondern nahm ihre Geschäftspartner Stutz und Franz in Schutz. Ein Radiointerview, das ihr unangenehme Fragen zu dieser Geschäftsbeziehung stellte, wurde auf ihren Druck hin aus der Mediathek des Freien Radio Neumünsters entfernt. Sie versuchte so, eine kritische Berichterstattung zu erschweren.

Hinter der Holstengalerie steckt der Hamburger Betreiber von Einkaufszentren ECE, der zur Otto Familie gehört, die die Shopping-Mall auch mit ihrem privatem Geld gebaut hat. Der Otto-Verhaltenskodex verbietet es strikt, Menschen aufgrund ihrer „ethnischen, nationalen und sozialen Herkunft“ zu benachteiligen und beruft sich explizit auf die „UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung von Frauen“, zudem heißt es, „Geschäftspartner verpflichten sich mit Aufnahme der Geschäftsbeziehung zur Otto Group, die Standards nicht nur in ihren Betrieben einzuhalten, sondern sie auch bei ihren Unterauftragnehmern sicherzustellen“.

Die Kampagne „Kein Fame für Famous“ ruft dazu auf, am Samstag, 19. Oktober um 15 Uhr auf den Gänsemarkt zu kommen, um klarzustellen, dass „Famous“ durch seine Verstrickungen mit den braunen Bandidos kein normaler Geschäftspartner sein kann. Außerdem soll deutlich gemacht werden, dass die Machenschaften der „Famous“-Betreiber nicht mit dem Otto-Verhaltenskodex zu vereinbaren sind. Die Neumünsteraner sollen darüber aufgeklärt werden, wen sie finanzieren, wenn sie sich bei „Famous“ tätowieren lassen. „Kein Fame für Famous“ möchte betonen, dass in Neumünster kein Platz sein darf für braune Geschäftswelten und fordert die Stadt dazu auf, den „kriminellen Sumpf“ aus den Läden „Famous“, „Notorious Ink“ und „The Edge“ trockenzulegen, die als Geldwaschanlagen der Rocker gelten.

Alle Informationen zur Kundgebung und zur Kampagne unter keinfamefuerfamous.noblogs.org

ErstunterzeichnerInnen: Antifaschistische Aktion Neumünster, Bündnis gegen Rechts Neumünster, Ökumenische Arbeitsstelle Altholstein, ver.di-Bezirk Südholstein, ver.di-Ortsverein Neumünster, Verein für Toleranz und Zivilcourage e.V., VVN/BdA Kreisvereinigung Neumünster

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